Frostharter Zitrus im Garten 

Mit der Optik eines blühenden und fruchtenden Orangenbaums im Hinterkopf, mit dem Wunsch nach nutzbaren Zitrusfrüchten, steckt das Thema mangels gewerblich-wirtschaftlichem Interesse noch in den Kinderschuhen, findet aber unter Exotenfreunden zunehmend Interesse.

 

Swingle Citromelo Frucht

Mit Poncirus trifoliata (-20 Grad) und Citrus ichangensis (-15 Grad) gibt es bereits frost- bzw. je nach Region winterharte Zitruspflanzen. Hochdekorativ, aber wenig nutzbar ist Swingle Citromelo (-12 Grad, Bild rechts).  

Einen Baum mit Krone gegen tieferen Frost zu schützen ist nicht so einfach. Beschneidet man ihn für den Schutz, schneidet man ihm auch die Möglichkeit ab, im nächsten Jahr zu blühen und zu fruchten.  

 

 

Als Sorten denen man nutzbare Früchte nachsagt, pflege ich ausgepflanzt:

Cunningham Livurce (-12 Grad, Grapefruitgeschmack (soll)), Swingle Citromelo, Ichangensis (Wildling, Zitronenform, ohne Kerne, leicht schälbar, Spalten wie eine Mandarine), Poncirus x changha, Citrus Japanhybride, Strada Montana,  Poncirus x sinensis

Hybrid 119 US und Violetta Voss habe ich ausprobiert. Hybrid 119 mehrfach, selbst als größeres Bäumchen mit Schutz (doppelte Vlieshaube und Heizkabel) keine Chance. Violetta Voss regeneriert gut, aber friert immer wieder stark zurück, selbst bei geringeren Frösten. Hybrid 119 bekommt Frostrisse trotz Schutz und stirbt. Keine Freilandtauglichkeit bei beiden bei mir.

 

Ich habe jetzt eine ichangensis x sinensis (ixs) bei Eisenhut Schweiz erworben und zwei bei Maurizio von Agrumi Lenzi. Ausgepflanzt ist die ixs von Maurizio. Ich habe die beiden anderen im Topf als Backup zunächst. Ausgepflanzt ist an der Garagenwand mit etwas Dachüberstand. Hier ausgepflanzte Exoten zeigen auch nach dem Winter eine sehr gute Form, so dass die Wand und der Dachüberstand hervorragend schützen. Noch treibt die ausgepflanzte ixs nicht aus.   

Den Winter 2017/2018 hat die ixs mit -9,5 Grad als Tiefsttemperatur nicht überstanden. Die Cunningham Livurce daneben ohne einen Kratzer. Ich vermute, dass die wenig frostharte Veredelungsunterlage Schuld trägt und später ein Versuch mit der ixs von Eisenhut gemacht wird, da hier auf Poncirus veredelt wurde.

Die ixs von Agrumi Lenzi im Topf hat gut gefruchtet (siehe Bild).

Die ixs von Eisenhut wurde 2019 neben den Zwerggranatapfelbusch gepflanzt mit Nähe zur Garagenwand und viel Sonne. Es gab viele Blüten, die auch von den Bienen gerne befruchtet wurden. 2020 keine Blütenbildung, aber zweifach Blattaustriebe. Die -10 Grad Winter 20/21 hat die Ichangensis trotz Vlieshaubenschutz nicht überlebt. Ich möchte sie aber gerne nochmal probieren, so dass ich sie hier zunächst stehen lasse auf der Homepage. Veredelungen der IxS auf Ichangensis 2020 veredelt, treiben aus. Wird noch 2 Jahre dauern, bis die Pflanzen etwas größer sind. Mittlerweile zwei Veredelungen mit Austrieben, so dass es später wieder Auspflanzversuche geben wird.

 

Mit -12 Grad und der Aussicht auf nutzbare Früchte, erschien mir diese Sorte interessant, so dass ich 2012 eine Veredelung bezog und auspflanzte. Sie bekam auch geringe Fröste ab und wuchs 2013 weiter.

2014 blühte sie zum ersten Mal, woraus sich zwei minimale "Fruchtansätze" ergaben und schnell wieder abfielen. Sturmbedingt fiel der Sonnenschirm auf die Cunningham Livurce und riß die komplette "Krone" ab (Schock!). Ich legte einen Verband an, jedoch wurde der obere Teil der Pflanze abgestoßen. Aus den neuen seitlichen Trieben, die ich dann nach oben band, wächst jetzt der neue Stamm heran. Die Pflanze verholzt mittlerweile gut und ich freue mich, dass sie sich so gut erholt hat.

2016 starkes Wachstum, zweifach Austriebe, keine Blüten. 2017 trotz Schutz (Vlieshaube) bei -9 Grad sehr stark zurückgefroren und Austrieb etwa 10-15 cm über den Boden aus dem dicken verholzten Stamm.   Die Cunningham wurde ausgegraben und an die Garage gepflanzt zur ixs. An ihrer Stelle kam ein kleiner Schlafbaum ins Beet.

Winter 2017 / 2018 mit -9,5 Grad an der Garagenwand kein Problem für die Cunningham. Sie ist gut gewachsen und ich denke nächstes Jahr geht es an den Kronenaufbau. Bin sehr zufrieden!

2019, Aufastung zur Kronenbildung. Juni 2019 bisher keine Blüten. Größe jetzt ca. 190 cm, schön verholzt. 2020 stößt die Cunningham an den Dachüberstand. Sie wird umgesetzt an die nicht überdachte Garagenwand. An ihre geschützte Stelle wird eine C. meyerii ausgepflanzt. Die Cunningham livurce nimmt das Umsetzen sehr übel und stößt massig Blätter ab und lässt auch von oben Zweige absterben. Im August treibt sie wieder stark aus. 2021 einige Blüten, aber keine Fruchtausbildung. 2022 sehr viele Blüten, trotzdem keine Fruchtbildung.

2023 gibt es auch erstmals ausgereifte Früchte. Außen fühlen sie sich etwas pelzig an wie bei Poncirus. Noch grün und fest. Mandarinengröße. Die Früchte hellen sich langsam auf. Es gab einen Kern im saftigen Fruchtfleisch. Man merkt und schmeckt noch den Ponciruseinfluss,aber sonst muss man schauen, was damit noch geht. Saftig, nur ein Kern und dekorativ.

 

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Citrus ichangensis hat schon -12 Grad ungeschützt bei mir überstanden. Im Winter 2015/2016,  -8 Grad ungeschützt.

Den Nutzen der Früchte kann ich noch nicht abschätzen, aber vielleicht Saft und Schale. Sie wächst relativ langsam und moderat. 2016 weiter in Form zum Baum geschnitten, dadurch auch keine Blütenbildung. Stamm verholzt zusehendst.

2017 weiter beschnitten, Wachstum gut, -9 Grad, keine Winterschäden, keine Blütenbildung. Guter Austrieb. Winter 2017 / 2018 mit -9,5 Grad kein Schaden, kein Schutz, Blütenbildung und Fruchtausbildung. 5 Früchte und neue Blütenbildung Anfang September.

2019 etwa 9 Früchte, wieder ovale Form der Früchte. Sieht nach einer Wiederholung von 2018 aus. Ich werde versuchen, diesen Zitrus zu kopieren und zu vermehren.

Die Früchte schmecken sauer nach Zitrone, aber auch milder ähnlich Grapefruit. Sie lassen sich mit den Fingern schälen und haben keine Kerne. Also keine normale Ichangensis. Sehr lecker und nicht typisch ichangensis, die sehr viele Kerne und wenig Saft und Fleisch hat.

2020 durfte ich bei Herrn Meeder (Pflanzen des Südens) beide Ichangensis Varianten als Halbstämme mit Früchten nebeneinander sehen. Die Originalversion mit Kernen und wenig Saft ist eher rund, weniger runzelig. Die Doppelblätter scheinen eher nach oben zu stehen. Bei der kernlosen Variante neigen sich die Blätter im Vergleich eher ab. Er soll die Pflanze vor 30 Jahren von Eisenhut bekommen haben (Lago Maggiore). Sehr viele Früchte 2020, die sich aber nicht lange halten, nachdem der Baum sie gelb gemacht und später abgeworfen hat.

Keine Früchte und Blüten nach dem Winter 2022 / 2023 mit warmen Phasen und einzelnen kalten Nächten. Blüten gab es erst im September. Daraus bildeten sich Früchte die aber wohl jetzt nicht mehr ganz ausreifen. Die Pflanze scheint nach dem Winter aus dem Takt und verwirrt zu sein.


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2017 erwarb ich bei einem Zitruszüchter eine Citromelo (Poncirus trifoliata x Citrus paradisi). 2018 pflanzte ich sie sehr sonnig aus. Es stellte sich aber kein Wachstum ein, sondern nur Mangelerscheinungen in Form vergilbter Blätter. Die Pflanze verhungerte sichtbar. Also irgendwann wieder getopft und sie grünte wieder und wuchs. Neuer Versuch in 2019 an anderem Platz.

Ich hatte bereits 2011 eine kräftiges Citromelo-Bäumchen ausgepflanzt, das auch fruchtete. Aber ich übertrieb es mit dem Testen der Frosthärte und bei -15 Grad bekam sie Frostrisse und ging ein. -12 Grad ist schon die Grenze und sollte nicht unterschritten werden.

Die Citromelo ersetzt die im Cycasbeet ausgepflanzte Kumquat, die dort wegen zuviel Luftfeuchte im Schutz nach dem Winter sehr stark abbaut und schimmelt. Der C.P. Schutz wird verkürzt und erhöht und die Citromelo steht dann dort ohne Schutz. Auspflanzung Ende Februar 2019 (+16 Grad, Frühfrühling quasi, kein Frost mehr in Sicht) Erste Blüten- und Fruchtbildung 2019 (Ende Juli) . 2020 gutes Wachstum, keine Blütenbildung, Formschnitt. 2022 einige Blüten und zwei kleine Früchte dran.

 

Poncirus gekreuzt mit der frostharten Changha Mandarine. Auspflanzung an der Terrasse 2019. Ist teilweise immergrün und meist trifoliat. Ausgepflanzt 2019, gilbt sie noch etwas und muss sich noch etablieren. 2020 erste Blütenbildung, die sich aber nicht weiter entwickeln, langsames Wachstum, ein Blattaustrieb. Kein Schnitt. -10 Grad kein Schaden. 2022 keine Blüten, keine Früchte, keine Winterschäden

 


Die Japanhybride ist monofoliat, immergrün und wurde von der Gärtnerei Eisenhut in der Schweiz über einen Freund bezogen. Auspflanzung wahrscheinlich 2020. Sie soll ca. -12 Grad aushalten. 2020 ausgepflanzt, starkes Ergrünen, gesunder Wuchs. Keine Blütenbildung. -10 Grad liess sie etwas zurückfrieren, was für diesen halbschattigen Platz trotzdem eine starke Leistung ist. Sie wurde dann großzügig ausgegraben, getopft und wird später wieder ausgepflanzt. Gutes Wachstum im Topf. 2022 keine Blüten, aber wieder sehr kräftig und groß. Die Japanhybride hat den Winter 2022 / 2023 im Carport nicht überstanden. Sehr schade.


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Poncirus x sinensis bei Herrn Meeder entdeckt und mitgenommen. Mangels geeignetem Auspflanzplatz ist sie noch im Topf. Keine Blütenbildung, ein Blattaustrieb. Starke Bedornung poncirus-like. Seit 2021 ausgepflanzt. 2022 gab es einige Blüten, aber keine Fruchtbildung. Verbesserte Fruchtbildung in 2023, aber noch keine wirklichen Früchte.